Du bist nicht mein Bruder

by MUTTER

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    Re-release des dritten Mutter-Albums von 1992. Mutter besingen darauf die Wiedervereinigung, nehmen sich der gesamtdeutsch wandelnden Sitten an und halten fest, wie es im mauerlosen Kopf zugeht. Zwölf Zustandsbeschreibungen moralischer Verelendung und gesellschaftspolitischer Auflösung, vorgetragen in brachialer Dringlichkeit, direkt und frei von Ironie. Fabulöse Wahrheit und damit Schönheit, entsprungen aus der Ästhetik des Hässlichen. Ein zeitlos relevantes Album, fernab beliebiger Komsumierbarkeit. Rockmusik für Leute, die keine Rockmusik mögen.

    Re-release of MUTTER´s 3rd album from 1992. MUTTER sing about the german re-unification and observe how things are in the wallless head. Twelve descriptions of moral impoverishment and socio-political dissolution, presented in brutal urgency, direct and irony-free. Fabulous truth and thus beauty, arising from the aesthetics of the ugly. A timelessly relevant album, far from being a product for casual consumption. Rock music for people who don't like rock music.

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1.
LACHEN IST BILLIG Es ist so einfach, und es gibt nicht viel zu sagen. Hör mir zu, und stelle keine Fragen. Du weißt ich mag dich, ich mag dich wirklich sehr. Ich küsse und ich liebkose dich. Wir ertrinken in einem Meer voller Tränen. Und wir wünschen und wir hoffen auf ein Leben voller Erfüllung. Also sag jetzt lieber nichts, denn– Lachen ist billig. Der, den du belächelst, lacht über dich, und ein anderer lacht über euch beide. Ein Stück Glück auf dieser Welt erscheint uns erstrebenswert. Eine kleine Freiheit für jeden von uns. Du bist solange unfehlbar, bis du merkst, dass leider alle Menschen Menschen sind. Nur mit kleinen Unterschieden, die nicht ins Gewicht fallen. Also sag jetzt lieber nichts denn– Lachen ist billig.
2.
ALLES WAS DU SCHON IMMER HÖREN WOLLTEST Ich sage dir alles, was du schon immer hören wolltest. Du musst es nur wollen–wirklich wollen– dann wird geschehen, was du dir so gewünscht hast. Dein Blick wird sich verklären. Du wirst lächeln und für diesen Augenblick unendlich glücklich sein. Ich werde dir nicht wehtun, du wirst es selber tun müssen! Ich könnte alles für dich sein, du musst nur daran glauben! Alles, was du schon immer hören wolltest. Wie ein Schlüssel zu einem Wunder wirst du plötzlich sehen und begreifen, was dir bisher unbegreiflich erschien. Und wenn irgendetwas nicht daran glaubt, dann ist es schade. Ich sage dir– alles, was du schon immer hören wolltest
3.
06:52
HUMOR Dunkle tiefe Seen, gefüllt mit Blut und Urin. Menschlicher Abschaum, flaniert auf den Boulevards dieser Welt. Zerschlagene Glieder strecken ihre Stümpfe gegen einen Himmel, der die Hölle sein könnte. Eine Hauptstrasse aus zerbrochenem Glas, auf der unaufhörlich Sirenen erklingen, und jedes Trommelfell zum platzen bringen. Eine wunderbare Welt, gebaut aus dem gärenden Abfall dieser Zivilisation. Wunderbare schöne Stimmen, die nichts zu sagen scheinen. Ein Horizont, der in allen Farben leuchtet und neugierig macht auf mehr. Das ist meine eigene kleine Welt, die euch so humorlos erscheint. Die Narben schreien nach Wunden.
4.
04:19
MICHAEL Diese Welt ist so faszinierend, voller Wunder und Widersprüche. Sieh mich an und versuch zu verstehen, dass die größten Widersprüche nicht ausreichen, um jemanden wie mich nicht ernst zu nehmen. Wovor haben sie Angst –Vor mir? Der Übermensch, die auserkorene Rasse. Offen homosexuell und sterben an AIDS. Möchtest du–wenn du ein Mann bist–mit mir schlafen? Zu spät! Mir tut überhaupt nichts leid, bis zu meinem Ende, das jetzt da ist. Was hätte ich auch bereuen sollen, wenn alles mir Recht gab? Ich wäre ein Nichts gewesen ohne meinen Glauben. Lieber Michael.
5.
ICH WEISS ICH WEISS Erinnerungen sind wie ein Geschwür, das wächst und keinen Platz mehr für normale Gedanken lässt. Kein Tag und keine Nacht vergeht ohne sie. Immer mehr, immer süßer, viel schöner, als sie jemals waren. Sie sind kein Traum– sie sind real. Jedes kleine, dumme Andenken beschwört sie herauf. Und all das ist dumm, und du hörst dich selber sagen: Ich weiß, ich weiß. Selbstaufgabe vor dem eigenen Ich. Ein Denken, das nicht mehr zu kontrollieren ist. Ein damals, das so nie existiert hat und nie existieren wird. Zuschauen–denken–entspannen. Und all das ist dumm, und du hörst dich selber sagen: Ich weiß, ich weiß. Die Zeit zieht sich dahin und manchmal scheint sie still zu stehen. Im Spiegel steht jemand, der sich seiner Tränen schämt. Eine Schande, die nur schwer nachvollziehbar ist. Und all die Peinlichkeiten der Welt auf sich vereint, sagt er: Ich weiß, ich weiß.
6.
04:43
ALLES Deine Einstellung zu Dingen ist mir egal, deine Sicht, deine Meinung, einfach alles. Ich kann akzeptieren was du bist, oder repräsentieren willst. Ich kann damit leben. All das stört mich nicht im Geringsten. Ich muss es nicht unbedingt wissen, ich muss es nicht unbedingt hören, und sehen muss ich es auch nicht. Es zieht an mir vorbei, wie ein langweiliger, schlechter Film. Beschwere dich, akzeptiere es. Ich kann damit leben. Kein Genie, keine Armut, kein Reichtum kann so bewegend sein. Mir ist es völlig egal, wer du bist– was du bist, wo du bist, was du sagst, was du fragst, wer dich zu dem gemacht hat, was du heute bist. Ich lächle und denke nichts, was wirklich wichtig ist, nichts, was wirklich bedeutend ist. Das alles ist mir so egal. Ich möchte auch nicht deinen Kreisen angehören. Geh–wenn du gehen willst, bleib–wenn du bleiben willst. Stell Ansprüche, lege Wert auf das, was du sagst. Es interessiert mich nicht im geringsten.
7.
05:27
ICH BIN ER Er ist so berühmt, und ich bin ein Niemand. Ich lebe in meiner eigenen Welt, die er niemals versteht– ich seine auch nicht. Eines Tages steh ich neben ihm, jeder hat die Möglichkeit. Dann werden sie sagen: ich bin krank. Wie wollen sie wissen, was und wer krank ist? Vielleicht sind sie krank, vielleicht ist alles anders? Ich bin er. Ich möchte Wehtun, und ich möchte verletzen. Alles verändert sich in Sekunden, und nichts wird wie vorher sein. Sie werden sagen: ich bin krank. Ich plane und mir ist bewusst was ich tue. Sie werden schreien– sie werden brüllen, weil sie Angst haben vor Leuten wie mir. Weil sie nicht berechnen können, was passiert, wenn einer kommt wie ich. Und sie werden sagen: ich bin krank. Denn nur damit können sie sich schützen. Genauso krank, genauso gesund, nach Öffentlichkeit und nach Geltung, nach Darstellung, nach Aufmerksamkeit. Ich mag das– ich hasse das. Sie denken, sie wissen alles, aber sie wissen nichts. Und hinterher werden sie sagen: ich bin krank. Ich bin er.
8.
IHR GRÖSSTER WUNSCH Speichel tropft auf das Knie des Mädchens, das so alt ist wie ich. Langsam dreht sie ihren Kopf zu mir um und sagt mir etwas, das ich nicht verstehen kann. Ich bin gefangen in einem Körper, den ich nie haben wollte. Und ich bin jung und wunderschön. Und alles, was du siehst, ist ein Wrack, das nicht zu koordinieren ist. Und sie wirkt wie ein Idiot in ihrem Rollstuhl, doch sie sagen, dein Denken ist völlig klar. Ich gehe, wenn ich gehen will, und du bleibst in deiner Welt zurück. Verkrüppelte Finger, die dich streicheln wollen, und eine gelähmte Zunge, die dich küssen will wie nie. Doch stattdessen nur unartikulierte Laute. Und alles, was um dich herum passiert, wird aufmerksam registriert. Und nichts entgeht dir. Und doch alles, was sie dir nicht zeigen wollen oder können. Und mit deinem Leben bist du dein eigenes Gefängnis. Wie lange kann ich ertragen, was nicht meine Schuld ist? Ich kann es nicht länger akzeptieren, wie ein Idiot behandelt zu werden.
9.
03:32
SORGEN Ich mach mir Sorgen, was du über mich denkst. Das macht mir Sorgen, das lässt mich zweifeln. Kann ich dir vertrauen? Muss ich dir vertrauen? Das macht mir Sorgen. Jede Minute meines Lebens. Was du über mich sagst, wenn ich nicht da bin. Das lässt mich grübeln. Will ich die Wahrheit hören. Wo bist du jetzt? Das macht mir Sorgen. Das macht mich krank, das macht mich wahnsinnig. Wenn ich glaube zu wissen und im Grunde überhaupt nichts weiß. Das macht mir Sorgen. Bist du wirklich da, wo du mir sagst, dass du es seist? Bist du wirklich die Person, die ich zu kennen glaube? Das macht mir Sorgen. Das macht mich verrückt. Bist du wirklich da, wo du mir sagst, dass du es seist?
10.
WIE FÜREINANDER GEMACHT Ekelhafte West-***** trifft widerliches Ost-Schwein und merken sofort, dass sie wie gemacht füreinander sind. Und er macht ihrem abstoßenden, unförmigen Körper billige Komplimente, und sie fühlt sich von seiner dummen, betrunkenen Art angezogen. Er bezahlt ihr schlechten Schnaps, und seine kleinen roten Augen fixieren den Berg Müll neben sich. Und sie sieht in ihm ein Stück schmutziges Treibholz, an das sie sich klammert, um nicht ganz unterzugehen. Und sein halb erigiertes Glied scheint zu sagen: ich liebe dich... Und dann besudeln sie sich gegenseitig, und ihre nicht vorhandene Moral löst sich auf. Und ihr Speichel tropft auf seinen ekelerregenden Ost-Jeansanzug, und ihre unmöglichen West-Ohrringe baumeln im Takt der gegenseitigen Erregung. Und nun versuchen seine dreckigen Fingernägel in ihre widerliche, nasse, stinkende ***** einzudringen. Und das, was einmal Körper waren, reibt sich aneinander. Die Gegensätze verschwimmen und werden eins. Und ein riesiger Klumpen aus Abfall singt: Wir sind wie füreinander gemacht.
11.
DU BIST NICHT MEIN BRUDER Elend, das keines ist. Mit der Seele eines Bastards ziehen wir herum, auf der Suche nach Vitaminen. Tränen voller Stolz, Plastiktüten aus purem Gold. Mamorjeans, die symbolisieren, wir sind wie ihr–wir gehören zu euch! Blasse Kindergesichter aus Pudelmützen starren dich an. Wir können das alles noch gar nicht fassen, wir können das alles noch gar nicht glauben! Du bist nicht mein Bruder, du bist nicht meiner Schwester.
12.
11:57
MUTTERMAL Deine Frau verlässt dich, nachdem du alles für sie aufgegeben hast. Du wirst Alkoholiker, bis du es dir nicht mehr leisten kannst, weil du inzwischen deine Arbeit verloren hast. Dein einziger Sohn wurde bei einem Ladendiebstahl gestellt und in eine Jugendstrafanstalt überwiesen, in der er von Wärtern zu Tode geprügelt wird. Als du Blumen auf sein Grab legst, triffst Du deine Ex-Frau mit ihrem neuen Freund, der–wie du wirklich zugeben musst–besser als du aussieht. Deine Ex-Frau lächelt dich kurz an und verlässt dann den Friedhof. Du denkst zurück an die Zeit und wie alles anfing, die vielen schönen Augenblicke. Das deprimiert dich so, dass du beschließt, von deinem letzten Geld Alkohol zu kaufen. Auf dem Heimweg zu deiner Wohnung triffst du einen alten Arbeitskollegen, der, wie er dir erzählt, befördert wurde: er hat deine Stelle bekommen. Innerlich denkst du noch, was für ein wiederlicher Schleimer er immer war. Du schließt die Wohnungstür auf und blickst in einen Raum ohne Möbel, ohne Fernseher und Stereoanlage. Du musstest alles verkaufen, nachdem das Flugzeug abgestürzt war, und du einen Kredit bei einer zwielichtigen Bargeld-Sofort-Firma mit überhöhten Zinsen nicht zurückzahlen konntest. Du fühlst dich alt und krank. Du sehnst dich nach jemandem, der dich in den Arm nimmt. Tränen laufen über Deine Wangen, du bekommst einen Weinkrampf. In einem Zug leerst du dein Bier– genauso verfährst du mit den anderen Dosen. Als du betrunken fast eingeschlafen bist, klingelt es. Du schreckst aus deiner Lethargie. Als du die Tür öffnest, zeigen dir zwei Beamte ihren Ausweis und fragen nach deinem Namen. Du gibst ihnen wahrheitsgemäß Auskunft, und sie bitten dich, mit auf das Revier zu kommen. Auf der Wache stellt sich heraus, dass du vergessen hast, deiner Frau den Unterhalt zu zahlen. Da du kein Geld hast, musst du eine 20-tägige Haftstrafe antreten. Bei der routinemäßigen Untersuchung stellt sich der kleine braune Punkt auf deinem Oberarm, den du für ein harmloses Muttermal gehalten hast, als eine bösartige Krebsgeschwulst heraus. Und du denkst über alles nach, und du musst wieder weinen, und du denkst: wenn jemand Selbstmitleid haben darf, dann du. Aufgrund deiner unheilbaren Krankheit bekommst du Haftverschonung. Als du durch die Anstaltstore trittst, herrscht Smogalarm, und du musst die zwölf Kilometer zu deiner Wohnung zu Fuß nach Hause gehen. Auf dem Weg zu deiner Wohnung denkst du wieder an deine Frau– und dass es ihr jetzt gut geht, und du ihr jetzt völlig egal bist und es wohl schon immer warst. Und du denkst an deinen toten Sohn und an den Krebs, der an dir frisst, bis du tot bist. Du schließt die Haustür auf, legst dich auf das Bett und schläfst. Du hast schreckliche Albträume, von fetten Frauen, die mit dir schlafen wollen und deinem toten Sohn, der dich ruft. Am anderen Morgen beschließt du, sein Grab zu besuchen. Auf der Suche nach der letzten Ruhestätte deines Sohnes spricht dich der zuständige Friedhofswärter an. In einem längeren Gespräch auf dem nasskalten Friedhof erklärt er dir, dass das Grab nicht mehr vorhanden sei, weil die Platzmiete nicht bezahlt wurde. Noch mit Tränen in den Augen wirst du von zwei Arabern aufgefordert, ihnen deine Geldbörse auszuhändigen. Da du dich unter Schock befindest und nicht sofort reagieren kannst, wirst du von ihnen zu allem Übel zusammengeschlagen. Nachdem sie sich deiner Geldbörse und deiner Kleidung bemächtigt haben, wirst du zu allem Übel von ihnen auch noch vergewaltigt. Als du aus deiner Bewusstlosigkeit erwachst, liegst du immer noch auf dem Friedhof. Inzwischen ist es Nacht geworden. Der Regen ist in Schneematsch übergegangen. Mit halberfrorenen Fingern tastest du dich zu deinem heftig schmerzenden, blutenden Gesäß. Und du denkst, wenn jemand Selbstmitleid haben darf, dann bist du es.

credits

released January 1, 1993

Bass – Kerl Fieser
Drums – Florian Koerner von Gustorf
Guitar – Frank Behnke
Vocals – Max Müller

Cover Illustration – Mark Brandenburg
Inside Illustration – Max Müller
Cover Artwork – Michael Fröhlich

Lyrics, Music by – Max Müller
Mixed By – Mark Elsner (tracks: 2 to 6, 8, 10, 11), Max Müller (tracks: 2 to 6, 8, 10, 11), Tom Scheutzlich (tracks: 2 to 6, 8, 10, 11)
Mixed By – Bernhard Steudel (tracks: 1, 7, 9), Max Müller (tracks: 7)

Recorded By – Gundula Schmitz (tracks: 11), Niklas Ehlert (tracks: 1 to 4, 6 to 10), Tom Scheutzlich (tracks: 5)
Samples – Tom Scheutzlich

Tracks 2, 3, 4 ,6, 8, 10 aufgenommen im Multiple Noise Studio (Berlin).
Tracks 1, 7, 9 aufgenommen im Astrosound Studio (Berlin) von Bernhard Steudel
Track 5 aufgenommen im Rauchhaus (Berlin) von Tom Scheutzlich
Track 11 aufgenommen mit Diktiergerät von [...] im Hotel Metallstor, St. Petersburg 1991/92

Gemischt im Multiple Noise Studio.
Alle samples von Tom Scheutzlich.

Released on CD by "What's so funny about" in 1993
2x12"Vinyl will be released in March 2020!

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MUTTER Berlin, Germany

Mutter is a Berlin based rock band existing since 1986.

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